HG Queer

Leitfaden für Lehrkräfte bezüglich des Umgangs mit trans*-Personen

Einleitung

Sehr geehrte Lesende,

da das Thema Trans* in der heutigen Zeit immer mehr an Bedeutung gewinnt, ist es wichtig, Gendersensibilität auch in den Schulalltag zu integrieren. Im folgenden Leitfaden werden Sie über Möglichkeiten der Inklusion aller Geschlechter informiert. Diese bestehen unter anderem aus Übersichten zum korrekten gendersensiblen Sprachgebrauch sowie Tipps zum Umgang mit trans* Personen.

Trans* dient als breiter Sammelbegriff für verschiedene geschlechtliche Identitäten und Selbstbezeichnungen, zum Beispiel transgender, transgeschlechtlich, , transident , transsexuell, nicht-binär, genderqueer u.v.m. Trans* Personen sind Menschen, die sich nicht mit dem Geschlecht identifizieren, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde. Darunter fallen trans* Männer (Männer, welche mit biologisch weiblichen Attributen geboren wurden), trans* Frauen (Frauen, welche mit biologisch männlichen Attributen geboren wurden) sowie Menschen, die bei der Geburt vermeintlich als Junge oder Mädchen erkannt wurden, sich in diesem binären System jedoch nicht wiederfinden. Letztere können als nichtbinäre (auch nonbinäre oder abinäre) Personen bezeichnet werden.

Trans* Personen werden sowohl in sprachlichen Ausdrucksweisen, als auch in anderen Bereichen wie z. B. der Toiletten- und Umkleidesituation missachtet. Um dem entgegenzuwirken, ist ein Umdenken bezüglich der Verankerung dieses binären Geschlechtersystems in unserem Schulalltag erforderlich.

Über Geschlechtergerechte Sprache

Warum eine geschlechtergerechte Sprache?

In der deutschen Sprache ist das sogenannte „generische Maskulinum“ weit verbreitet. Das sind männliche Bezeichnungen, bei denen Frauen und andere mitgemeint sein sollen. Sprachwissenschaftliche und psychologische Studien zeigten jedoch, dass diese selten mitgedacht werden.

Auch wenn Frauen und andere mitgemeint sein sollen, stellen wir uns bei dem Satz „Die Ärzte kümmern sich gut um Kim“ eine Gruppe von Männern vor, und keine gemischtgeschlechtliche Gruppe oder eine Gruppe aus lauter Frauen, die sich um Kim kümmern. „Lehrer“ oder „Arzt“ zu sein, war früher dem männlichen Geschlecht vorbehalten, „Haus-“ oder „Putzfrau“ hingegen deutlich dem weiblichen Geschlecht.

Sprache bildet also gesellschaftliche Strukturen ab und prägt auch unsere Wahrnehmung. Deshalb ist Sprache wandelbar. Heutzutage wird schon selbstverständlich von Kauffrauen gesprochen, ein Begriff, der in den 1970er Jahren noch zur Debatte stand. Wandeln wir also unseren Sprachgebrauch, so tragen wir dazu bei, veraltete Rollenbilder aufzubrechen und durch Gleichbehandlung zu ersetzen.

Was ist geschlechtergerechte Sprache?

Geschlechtergerechte Sprache beschäftigt sich mit dem Thema Repräsentation, also mit der Frage danach, wer in der Sprache wie dargestellt wird und wer alles eindeutig genannt wird und wer nicht.

Eindeutigkeit: Sprache ist so zu verwenden, dass klar wird, wer gemeint ist.

Repräsentation: Sprachliche Formen sind zu finden und zu verwenden, die alle Geschlechter angemessen repräsentieren und durch die sich alle angesprochen fühlen.

Anti-Diskriminierung: Sprache ist so einzusetzen, dass sie nicht diskriminierend ist.

Nicht zuletzt bedeutet geschlechtergerechte Sprache, einen Beitrag zu mehr Gleichberechtigung zu leisten. Denn Geschlecht war und ist nach wie vor eine wichtige Ordnungskategorie, die Hierarchien erzeugt, an deren Aufbrechen wir aktiv mitwirken können.

Umsetzung

Sichtbarmachen aller Geschlechter

Sichtbarmachen: Die entsprechende Form verdeutlicht Geschlechtervielfalt (z. B. „die Lehrer*innen)

Wie bereits erwähnt, gehen wir lange nicht mehr vom binären Geschlechtersystem aus. Um auch sprachlich die Diversität alle Geschlechter zu zeigen, kann mensch Formen mit _ (Gender-Gap) oder * (Gender-Sternchen) bilden. Dabei wird an das generische Maskulinum (z. B. Lehrer, Arzt, Mitarbeiter, Schüler) ganz einfach ein -*innen oder -_innen gehängt. Mittlerweile sind Formen des generischen Maskulinums + Innen (z. B. LehrerInnen) gebräuchlich. Diese sind bereits fortschrittlich, repräsentieren jedoch nur 2 Geschlechter.

Genderneutrale Personenbezeichnungen verwenden

Das Sichtbarmachen aller Geschlechter ist natürlich sinnvoll, kann aber bei häufiger Verwendung zu Unlesbarkeit führen. In diesem Fall sind geschlechtsneutrale Formen praktisch.

Genderneutral in Singular und Plural (z. B.): Person(en), Mensch(en), Mitglied(er)

Genderneutrale Plurale (z. B.): Leute, Eltern, Geschwister

Mithilfe der genderneutralen Personenbezeichnungen können geschlechtsspezifische Bezeichnungen ersetzt werden, z.B. der Betroffene → die betroffene Person, der Einzelne → der einzelne Mensch, der Stimmberechtigte (z. B.in einem Verein) → das stimmberechtigte Mitglied.

Darüber hinaus kann mensch Personenbezeichnungen, die im Singular geschlechtsspezifisch sind, so umbilden, dass sie im Plural geschlechtsneutral sind. Dies geschieht mithilfe von sogenannten substantivierten Partizipien oder substantivierten Adjektiven. Beispiele: der Lehrer, die Lehrer → Lehrende, der Leser, die Leser → Lesende, Interessenten → Interessierte. Bei dem Wort Schüler kann im Singular eine Umschreibung wie Klassenmitglied oder Schulkind verwendet werden, im Plural (Schul)Kinder/Jugendliche, die Klasse, Lernende, Beschulte, Klassenmitglieder.

Auch viele häufig verwendete Pronomina sind maskuline Bezeichnungen. Das sind zum Beispiel: wer, man, niemand und jemand. Auf diese können wir ganz leicht verzichten!

Beispiel: Satz mit maskulinem Pronomen: Man muss darauf achten, das Licht aus zu machen.

Korrekturen:

mit Passiv: Es muss darauf geachtet werden,...

mit ich, du, wir, sie: Sie müssen darauf achten,...

mit mensch: Mensch muss darauf achten,...

Es gibt viele weitere Möglichkeiten für Umschreibungen.

Im Alltag

Liste mit Beispielen betroffener Alltagssituationen

Im Schulalltag ist das Geschlecht öfter ein Thema, als Sie vielleicht glauben mögen. Und je öfter Sie Geschlecht als Ordnungskategorie benutzen, desto mehr verankert sich in den Köpfen der Schulkinder die Annahme, dass Geschlecht eine gesellschaftliche Trennwand sein kann. Zusätzlich werden nichtbinäre Geschlechter außen vor gelassen. Besonders für trans* Personen und Menschen, die sich ihrer Geschlechtsidentität nicht sicher sind, stellt das oft ein Problem dar.

Beispiele:

    Machen Sie bei Spielen keine Jungen- und Mädchenteams.
    Richten Sie Sitzordnungen nicht nach Geschlecht.
    Besprechen Sie mit trans* Personen Umkleidemöglichkeiten im Sportunterricht.
    Fragen Sie beim Namenlernen auch gleich nach den Pronomen jeder Person.
    Nennen Sie Personen immer so, wie sie sich vorstellen und gehen nicht nach der Klassenliste.
    Inkludieren Sie doch mal nichtbinäre Personen in Geschichten und Beispiele.

Persönlicher Umgang mit trans* Personen

Outet sich ein*e Schüler*in vor Ihnen als trans*, fragen Sie nach Namen, Pronomen und lassen die Person alles loswerden, was sie möchte. Fragen Sie, wie genau Sie helfen können und verweisen Sie auf Frau Wolf in ihrer Funktion als LSBTIQ+-Vertrauenslehrerin. Finden Sie gemeinsame Lösungen für (als Sportlehrkraft) Umkleiden, (als Klassenfahrtsbegleitung) Zimmerverteilung und andere spezielle Probleme.

Bitte beachten Sie: Ein Outing ist für viele ein emotionales Thema und die Person vertraut Ihnen vermutlich. Nur die Person selbst sollte entscheiden, wer davon erfährt.

Möglichkeiten im englischen Sprachgebrauch

Unterricht auf Englisch bietet noch einmal mehr die Möglichkeit, sich genderneutral auszudrücken. Ein gewaltiger Vorteil ist hier, dass die Pronomina der 2. Person Plural (they, their, them) als geschlechtsneutrale Pronomina für den Singular gelten. Nichtbinäre oder Personen unbekannten Geschlechts können damit bezeichnet werden.

Abschließende Worte

Vielleicht denken Sie sich, viele der genannten Schritte seien unnötig oder kleinkariert. Nein, keine Person wird sterben, wenn Sie mal das generische Maskulinum verwenden. Dennoch tragen alle dieser Maßnahmen dazu bei, dass sich zumindest einige Personen erheblich wohler fühlen werden und wir als Schulgemeinschaft einen respektvolleren und sensibleren Umgang miteinander pflegen. Und jeden Tag kommen wir einer Gleichstellung näher!

Vielen Dank für's Lesen und Beherzigen,

HG Queer

Februar 2020